Der neue Oberstufenraum ist fertig.
Wie wir bereits in einer unserer Ausgaben berichtet haben, wurden in der jüngeren Vergangenheit wiederholt Stimmen laut, die sich über den zeitweise katastrophalen Zustand des Aufenthaltsraumes beschwerten.
Essensreste auf dem Boden, klebrige Tische, ein zerrissenes Sofa und beschmierte Wände – wer jemals in diesem Raum war weiß, wovon ich spreche. Nachdem das Chaos Ende November ein weiteres Mal das Maß des Erträglichen überschritten hatte und der Raum bis auf Weiteres geschlossen bleiben musste, wurde von der Schulleitung erstmals ernsthaft über einen Vorschlag seitens der SMV nachgedacht: den Aufenthaltsraum in einen Oberstufenraum umzuwandeln. Von den Schülern der Klassen 11 bis 13 wurde diese Idee freudig aufgenommen und so erschienen rund 30 Schüler zu der Gesprächsrunde, zu der Herr Fischer aus diesem Anlass eingeladen hatte. Relativ schnell wurde man sich einig: Künftig wird der Aufenthaltsraum offiziell als Oberstufenraum genutzt, jüngere Schüler dürfen sich lediglich montags, dienstags und donnerstags in der Mittagspause und unter Aufsicht von Oberstufenschülern darin aufhalten.
Natürlich zog der eine oder andere Schüler aus der Unter- und Mittelstufe bei Bekanntgabe dieser neuen Regelung ein langes Gesicht. Als Oberstufenschülerin kann ich das zwar durchaus verstehen, aber ansonsten muss ich den Argumenten einiger Lehrer zustimmen – die wiederholte Verwüstung des Raumes geht auf Schüler der unteren Klassen zurück, denn kein Oberstufenschüler würde das Risiko eingehen, dass der einzige Platz, an dem man die teilweise zahlreichen Hohlstunden halbwegs ruhig und gemütlich verbringen kann, geschlossen wird. Durch einen eigenen Oberstufenraum soll nun also zweierlei gesichert werden: Einerseits, dass der Raum sauber gehalten wird, andererseits, dass Oberstufenschüler endlich die Möglichkeit haben, an einem ruhigen Ort arbeiten zu können. Und schließlich wird jeder Schüler früher oder später in der Oberstufe landen und den Raum selbst benutzen können. Und dann werdet ihr euch über einen schönen, sauberen Arbeitsplatz ebenso freuen wie wir, das könnt ihr mir ruhig glauben.
Doch zurück zur Verwandlung des Aufenthaltsraumes in einen Oberstufenraum. Neue Regeln für den Raum wurden schnell aufgestellt, auch Aufsichtspersonen für die einzelnen Wochentage waren bald gefunden. Der aufwändigste Teil des Unternehmens kam jedoch erst noch – die Neugestaltung, für die laut Abmachung mit der Schulleitung wir Schüler selbst verantwortlich waren. Über eines war man sich sofort einig – das Graffiti muss weg. Die künstlerisch begabte Lucy Rolbin (Klasse 13) erklärte sich bereit, einen Vorschlag für ein neues Wandgemälde zu entwerfen, der anschließend vom restlichen Oberstufenraumkomitee abgesegnet wurde. Farben und Material zur Ausbesserung der teilweise kaputten Wände wurden der Schule kostenlos zur Verfügung gestellt, so dass eine kleine Gruppe Oberstufenschüler sich in den Weihnachtsferien voller Optimismus in der Schule versammelte, um mit dem Streichen zu beginnen. Nach Abschluss der Spachtelarbeiten, einer Pizza zur Stärkung und der ersten Stunde des Streichens hielt sich das positive Denken bereits in Grenzen, denn das Graffiti weigerte sich hartnäckig, unter der weißen Farbdecke zu verschwinden. Nach sechs Stunden Arbeit und stellenweise mindestens fünf Schichten Farbe gaben wir leicht frustriert auf und verließen die Schule. Am nächsten Tag erfuhren wir vom Hausmeister, dass es eigentlich extra für uns spezielle deckende Farbe geben sollte, mit der sich die Schmierereien an den Wänden theoretisch leicht übermalen lassen sollten. Da wir aber keine derartige Farbe gefunden hatten, machte er sich auf die Suche danach, um schließlich noch einen einzigen Eimer aus einem der vor Weihnachten gestrichenen Klassenzimmer hervorzuzaubern. Nun gelang es uns glücklicherweise relativ schnell, den Rest des Graffitis verschwinden zu lassen und am Ende des Tages konnten wir einen sauberen, weißen Raum bewundern.
Doch damit war unsere Arbeit noch lange nicht beendet. Da die Ferien zu Ende gingen, mussten wir das Wandgemälde auf das folgende Wochenende verschieben. Als wir den Raum am Samstagmorgen betraten und die Farbeimer öffneten der Schock – Grüntöne, die absolut nicht denen entsprachen, die von uns ausgesucht worden waren. Doch da der Raum nicht noch eine weitere Woche geschlossen bleiben konnte blieb nichts anderes übrig, als ein kurzes Stoßgebet, die Farben mögen an der Wand nicht mehr ganz so schrecklich aussehen, zum Himmel zu schicken, und mit dem Malen anzufangen. Fertig wurden wir damit schließlich am Sonntagabend gegen 23 Uhr. Ja, richtig gelesen: 11 Uhr abends. Doch die Mühe scheint sich gelohnt zu haben, da bisher eigentlich nur positives Feedback zu hören war. Kein Wunder, denn mit der von der Familie eines ehemaligen Schülers gestifteten Couchgarnitur und den sauberen, hellen Wänden lädt der Raum einfach mehr dazu ein, freie Stunden darin zu verbringen.
Ein besonderer Dank geht bei dieser Gelegenheit an Herrn und Frau Winkler, die sich nicht nur an allen vier Arbeitstagen immer wieder Zeit für ein kleines Schwätzchen genommen haben, sondern am Sonntagabend den stark sinkenden Arbeitswillen mit Süßigkeiten und Cola wieder aufgebaut haben. Übrigens waren wir nicht die einzigen, die in den Ferien zu Pinsel und Farbeimer gegriffen haben, Frau Winklers Kiosk wurde ebenfalls renoviert.
Ach ja - falls es jemanden interessieren sollte, wer für das Kunstwerk an der Wand verantwortlich ist: die Namen aller beteiligten Schüler sind in einer Ecke verewigt worden – mit Edding, der unseren Erfahrungen nach selbst durch deckende Farbe nicht kleinzukriegen ist. Abschließend bleibt nun nur noch zu hoffen, dass dies die einzigen Filzstiftspuren an den Wänden bleiben und dass sich die Schüler der Oberstufe noch lange an einem schönen, sauberen Raum erfreuen können.


