Gedanken einer Schülerin zu unserer Mädchentoilette
Wem kommt das nicht bekannt vor? Die Mathedoppelstunde ist schon fast überstanden, die Flasche Apfelsaftschorle längst leer und plötzlich ist es da – jenes bekannte, unangenehme Gefühl, das mich jedes Mal aufs Neue in Konflikte bringt:
Soll ich den Gang zur Toilette wagen oder nicht? Was erwartet mich heute? Ein Fünkchen Hoffnung blitzt auf: vielleicht dieses eine Mal saubere Kloschüsseln? Klopapier? Funktionierende Spülungen? Oder wieder das Übliche?
Wie gesagt, das Fünkchen Hoffnung ist eben nur ein Fünkchen.
Knapp 50 % der Schüler- und Lehrerschaft, nämlich die männliche Hälfte, werden wohl nur ahnen, was ich mit „dem Üblichen“ meine. Denn die Toiletten der Jungs sind bekanntlich deutlich weniger in Benutzung wie die der Mädels – sei es nun, weil sie ein kleineres Mitteilungsbedürfnis haben, weniger eitel sind oder einfach nicht so oft müssen …
Ich sitze also auf meinem Stuhl, lausche dem sachte an das Fenster klopfenden Regen und überlege. Weil ich die Aufgabe schon gerechnet habe, ist der Zeitpunkt eigentlich ideal, aber vor meinem inneren Auge sehe ich es schon wieder vor mir:
Ich betrete die Mädchentoiletten. Gestank steigt mir in die Nase, aber daran hat man sich ja schon gewöhnt. Die Suche beginnt: Ich öffne die erste Kabine: Kein Toilettenpapier. Die zweite: Spülung kaputt. Die dritte: wieder kein Papier. Im Durchschnitt wird man bei der vierten endlich fündig – welch ein Erfolg! (Versucht man dagegen in einer Pause sein Glück, kann zusätzlich noch die Wartezeit hinzukommen – wenn sich mal wieder 20 Mädels in den Gang drängeln, um schnell eine der fünf benutzbaren Toiletten zu ergattern, bevor die große Pause um ist … )
Dieser Artikel ist als Gastartikel in der 6. Ausgabe der gedruckten Schülerzeitung erschienen.
Unangenehm genug kann es aber selbst dann noch werden, wenn man sich schon über Luxuszustände wie ausreichendes Vorhandensein von Klopapier und saubere Kloschüssel freuen darf: Hat man zum Beispiel (wie es wohl ab und zu vorkommt … ) gerade seine Regel, sieht man sich sofort mit neuen Problemen konfrontiert: Hygienebeutel gibt es eigentlich in jeder deutschen Damentoilette - bedauerlicherweise aber nicht im Leibniz-Gymnasium. Geht man nun also das Risiko ein, einem höchst unappetitlichen Anblick ausgesetzt zu werden und öffnet diesen winzigen, weiß-grau-dreckigen Mülleimer (der übrigens nicht einmal mit einer Mülltüte versehen ist), um seinen Abfall ordentlich zu entsorgen, oder umgeht man dies und wird ihn stattdessen bequem über den Abfluss los? Ein kleiner Teil der „Betroffenen“ wird wohl schon deshalb die zweite Variante wählen, weil er keine andere Möglichkeit hat: In drei Kabinen (ich habe nachgezählt!) fehlen die Mülleimer ganz.
Gedanklich bin ich mittlerweile nun schon am Waschbecken angekommen. Zitternd betätige ich den einen Seifenspender - nichts. Den anderen – nichts. Toll.
Und ich frage mich: Ist es so schwierig, Seife in ausreichenden Mengen zur Verfügung zu stellen? Regale zu montieren, auf denen gleich mehrere Rollen Klopapier Platz finden? Einmalig in einen Satz hygienischer „Sichtschutzklappen-Mülleimer“ inklusive Tüte zu investieren und dadurch gleichzeitig Probleme in den Abwasserleitungen zu vermeiden?
Es klingelt. Wie so oft schiebe ich meine Gedanken beiseite und denke mir: Augen zu und durch!
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