Jeder kennt die Zeichen (auch „Labels“ genannt) auf einem Film oder auf einem Spiel, die die FSK beziehungsweise die USK vergeben. Meist werden sie so hingenommen, wie sie sind, doch sind sie wirklich gerecht? Gibt es nicht gewisse Ungereimtheiten und Streitigkeiten bei der Verteilung der Kennzeichnungen? Wir sind der Sache nachgegangen und haben unter Anderem auch den Jugendschutz Großbritanniens zum Vergleich herangezogen.
Die „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“ (kurz FSK) hat in Deutschland die Aufgabe, herauszufinden, wie geeignet ein Film für die Jugend ist. Dabei ist die FSK jedoch keine Empfehlung, sondern eine reine Freigabe. Das Gleiche gilt für die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“, die die gleiche Aufgabe hat, allerdings für elektronische Spiele. Dabei richten sie sich nach dem geltenden Jugendschutzgesetz (JuSchG), wobei Deutschland eines der strengsten Jugendschutzgesetze der Welt hat. Doch wo hört man schon keine Klagen darüber, dass der Jugendschutz entweder unzureichend oder zu scharf sei? Vor allem Eltern klagen darüber, dass ihre Kinder Zugang zu (in ihren Augen) gewalttätigen Spielen haben - Im Gegensatz dazu können manche Jugendlichen nicht verstehen, warum zwei fast identische Spiele oder Filme unterschiedliche Kennzeichnungen erhalten. Wir haben einige Beispiele gesammelt:
„Jurassic Park“ (Film)
Wohl jeder kennt den Dinosaurierfilm „Jurassic Park“, der immer noch als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten gilt. Jedoch löste dieser Film nach seiner Veröffentlichung in Deutschland große Diskussionen aus, da dieser Film in Deutschland „ab 12“ freigegeben worden ist. Kein Wunder, der Film enthält durchaus Horrorszenen und kann kleineren Kindern Alpträume bescheren.
„Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ (Film)
Das Buch „Harry Potter“ löste im 21. Jahrhundert einen wahren Sturm der Begeisterung aus, kein Wunder, dass der Film ebenfalls große Zuschauermassen in die Kinos locken sollte. Die FSK gab den Film ab 12 Jahren frei - kurz darauf wurden ein paar Szenen geändert oder einfach ausgeschnitten und schon wurde der Film ab 6 Jahren eingestuft. Das hatte jedoch wiederum zur Folge, dass viele Eltern ihren Kindern es nicht erlaubten, diesen Film im Kino anzuschauen - Ob zu Recht oder zu Unrecht sei hier mal in den Raum gestellt.
„GTA: San Andreas“ (PC-Spiel, Action/ Third-Person-Shooter)
Die GTA-Reihe von „Rockstar Games“ gilt als eine der bekanntesten Spielserien weltweit. Alle Teile der GTA-Reihe wurden bis jetzt mit der Kennzeichnung „ab 18“ freigegeben, was durchaus verständlich ist bei dem Gewalttätigkeitsgrad. Nun erschien im Jahr 2005 mit „GTA: San Andreas“ zum ersten Mal ein GTA-Spiel, welches „ab 16“ freigegeben wurde. Zwar wurde das Spiel davor „entschärft“, jedoch ist es zweifelhaft, ob das Spiel deshalb ab 16 Jahren freigegeben werden darf. Selbst viele GTA-Spieler halten diese Entscheidung für kritisch, da der Inhalt (vor allem die Handlungsweise) dieses Spiels nicht wirklich „korrekt“ ist.
„World in Conflict“ (PC-Spiel, Strategie)
„World in Conflict“ handelt von einem fiktiven Dritten Weltkrieg, wobei die UdSSR einen Angriff auf die Westküste der USA startet. In England ab 12 Jahren - in Deutschland nicht freigegeben für Jugendliche („ab 18“). Doch welche Freigabe ist zutreffender für dieses Spiel? Grundsätzlich ist das Spiel wie jedes andere Spiel in Echtzeitstrategie (z.B. „Command & Conquer“ oder „Command & Conquer: Alarmstufe Rot“). Doch warum soll jetzt genau dieses eine Spiel „ab 18“ sein, wenn doch alle anderen ähnlichen Spiele „ab 16“ sind? Diese Frage wird sich vermutlich auch in der Zukunft nicht klären lassen. Inzwischen ist jedoch eine deutlich zensierte Version erschienen, die bereits 16-Jährige kaufen können.
Dies sind lediglich ein paar wenige Beispiele aus dem „großen Katalog“ diverser diskutierter Spiele und Filme. Auf der anderen Seite muss jedoch gesagt werden: „Man kann es nicht jedem Recht machen“. Und wenn nun ein paar Eltern entsetzt sind, dass ihrem Sohn oder ihrer Tochter ein so gewalttätiges Spiel zugemutet wird, so gibt es im Normalfall genauso viele Eltern, die der Ansicht sind, dass ihre Kinder mit dem Inhalt des Spiels zurechtkommen werden. Ausnahmen gibt es überall. Ein 14-jähriges Kind kann Alpträume bekommen von einem Film ab 12 Jahren, während hingegen ein 8-jähriges Kind von dem Film sogar durchaus einen amüsanten Eindruck bekommen kann. Wie soll man jetzt entscheiden, ob der Film „ab 12“ sein soll oder doch gar „ab 16“? Hier appelliert die Film- und Spielebranche an die Eltern: Selbst wenn ein Film „ab 6“ freigegeben ist, haben Eltern das Recht, ihren Kindern zu verbieten, den Film anzuschauen. Doch das ist in vielen Augen ebenfalls ungenügend. Wer kennt nicht die ganzen Familien, in denen die Kinder praktisch alles anschauen können, was sie möchten? In Politik wurde bereits gefordert, die Eltern zu „kontrollieren“, damit sie ihren Kindern reale Grenzen setzen. Natürlich konnte so etwas in der Praxis nicht durchgesetzt werden, sodass es letztendlich nur darauf hinauslief, mehr Informationsveranstaltungen für Eltern zu organisieren. Beachtet werden muss hierbei, dass diese Informationsveranstaltungen nicht zu vergleichen sind mit den Fernsehreportagen, die das gleiche Thema behandeln ... Und häufig bedenkliche Beiträge hinzufügen.
Im Fernsehen wurden bestimmte Maßnahmen getroffen, damit Jüngere nicht zu leicht Filme „ab 12“, „ab 14“, „ab 16“ oder „ab 18“ konsumieren können. Diese Maßnahmen sind ein Teil des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags. So dürfen z.B. Filme mit der Altersbeschränkung „ab 16“ erst ab 22 Uhr gezeigt werden (Ausnahmen sind möglich). Selbstverständlich sind die verschlüsselten Privatsender davon ausgenommen, da eine PIN benötigt wird, um auf diese Privatsender zuzugreifen.
Wie sieht das aber in anderen Ländern aus? Dank des Englandaustausches war es mir möglich, den deutschen Jugendschutz bei Spielen mit dem der Insel zu vergleichen.
Was direkt in den Regalen der Filme und Spiele auffällt: Die Kennzeichnungen sind deutlich kleiner als in Deutschland, was nicht zuletzt daran liegt, dass in Deutschland erst neulich die Kennzeichnungen vergrößert worden sind, damit sie noch leichter zu erkennen sind. In Großbritannien gibt es anstatt des USK/FSK die BBFC, „British Board of Film Classification“, zuständig für Filme und Computerspiele, die in Großbritannien vertrieben werden sollen. Jedoch ist es mir direkt aufgefallen, dass nicht alle Spiele in den Läden mit einer BBFC-Kennzeichnung versehen waren. Statt dessen findet man dort die PEGI-Kennzeichnung, die anscheinend nicht zwangsweise gelten, jedoch durchaus anerkannt sind. Auch zu bemerken ist, dass in England im Vergleich zu Deutschland beim Verkaufen nicht nach dem Personalausweis gefragt, ja sogar nicht einmal nach dem Alter gefragt wird. So war es zum Beispiel möglich, dass ein 1,60 m großer Junge, der nun wirklich nicht nach 16 Jahren aussah, das Strategiecomputerspiel „Command & Conquer 3“ („ab 16“) kaufen konnte.
Spielegeschäfte gibt es in England viele (z.B. „MyGameStore“, „hmv“ und „GAME“). Man kann also durchaus die Aussage treffen, dass der Jugendschutz bei Computerspielen nicht wirklich hart ist. Doch wie sieht das bei den verschiedenen Genres aus? Bei Actionspielen („Call of Duty“, „Far Cry“, „Counter-Strike“, „Battlefield“) findet man meist ähnliche Altersbeschränkungen wie in Deutschland, wenn auch die Tendenz besteht, dass in England mehr solcher Spiele „ab 15“ oder „ab 16“ sind als in Deutschland. Bei Simulationen ohne Gewalt oder Sportspielen sind Beschränkungen ebenfalls ziemlich ähnlich, einen ersten großen Unterschied findet man bei Strategiespielen (trotz Behauptungen, dass Strategiespiele nicht zwangsläufig mit Gewalt zu tun haben, ist es schier unmöglich, ein Strategiespiel ohne Gewalt zu gewinnen). Die BBFC gibt fast allen Strategiespielen eine Altersbeschränkung „ab 12“ oder geringer. In Deutschland hingegen verteilt die FSK häufig auch Altersbeschränkungen „ab 18“. Auffällig ist es, dass es häufig reicht, einfach den Begriff „Atombombe“ aus einem Spiel zu entfernen und statt dessen „Aurorabombe“ zu verwenden, um die Altersbeschränkung zu senken. Ein gutes Beispiel hierfür ist „Command & Conquer 3“: Die unzensierte Version „Kanes Rache“ hat in Deutschland keine Jugendfreigabe. Doch was sind die Gründe, weshalb die zensierte Version „ab 16“ ist?
- Atombomben heißen Aurorabomben, haben aber die gleiche Wirkung.
- Selbstmordattentäter („Fanatiker“) wurden aus dem Spiel entfernt, statt dessen gibt es „Sprengmeister“, die einen Sprengsatz neben sich legen und zünden und anschließend „verschwinden“.
- Gewisse Kampfsprüche wurden geändert. So hört man statt „Wir töten und zerquetschen sie“ die abgeschwächte Varianten davon: „Wir machen sie fertig“
In den Filmregalen findet man häufig ähnliche Filme - mit anderen Kennzeichnungen als in Deutschland. Egal, wie sehr man die Kennzeichnungen mit den Deutschen vergleicht, es ist nicht möglich, einheitliche Aussagen zu treffen. Das Einzige, was gesagt werden könnte ist, dass es manche Filme „ab 18“ dort gibt, die hier nie erschienen sind - Was das heißt, möge sich jeder selber denken.
Stimmt es nun, dass in England generell die Altersbeschränkungen niedriger sind? Bei elektronischen Spielen trifft dies auf alle Fälle zu, generell kann man davon ausgehen, dass es zum einen mehr Spiele gibt, zum anderen diese Spiele eher eine niedrigere Altersbeschränkung haben als dass sie gleich zu der in Deutschland ist.
Ganz abgesehen davon sind elektronische Spiele in England deutlich günstiger als in Deutschland, wovon vor allem Konsolenspieler profitieren. PC-Spiele sind ebenfalls günstiger zu erwerben, jedoch ist der Unterschied nicht so gravierend wie bei Spielen für die Konsole.


